Aqua Fun-Segelschulen-Coach: "Segeln, das ist Freiheit!“
- Aqua Fun Storys

- 12. Mai
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai
Segel setzen mit Aqua Fun-Coach Ralph Berend – der gebürtige Hamburger lebt auf Mallorca und liebt das Segeln fast mehr als alles andere! Aqua Fun-Segellehrer und Skipper Ralph Berend erklärt im Video-Interview, wie er aus blutigen Anfängern in nur einer Aqua Fun-Kurswoche echte Vollblut-Segler macht, warum Frauen manchmal die besseren Segler sind - und wieso Segeln als Stresskiller und Glücklichmacher wahre Wunder bewirkt: "Segeln ist Meditation, das ist Freiheit!"
Warum Segeln?
Warum überhaupt Segeln, Ralph?
Aqua Fun-Segelcoach Ralph Berend: Segeln ist für mich wie Meditieren. Fliegen ist für mich Meditation. Dieses Fortbewegen ohne Motor. Ohne. Ohne Fremdenergie. Also wirklich die Natur nutzen.
Seit Deinem wievieltem Lebensjahr segelst Du?
Ich war mit fünf Jahren das erste Mal auf so einem Boot. Mein Vater hatte damals eins. Ich komme halt aus Hamburg und bin eh so eine Wasserratte. Und von daher: Für mich gehörte Segeln immer dazu.
Ein Leben ohne Segelboot ist … ?
Scheiße! Wenn ich das sagen darf. Traurig! So fehlt was. Das schon ein bisschen. Für mich ist das mittlerweile ein bisschen wie die Luft zum Atmen.
Wie lange hältst du es auf dem Land aus?
Kann ich auch lange aushalten. Gerade so die Winterzeit über. Vor allem, wenn hier Stürme sind. Man muss es ja auch nicht übertreiben. Auch da zählt für mich Sicherheit. Wenn zu viel Wind ist, fährst du nicht raus und dann musst du halt an Land bleiben. Aber auch hier an Land: Mallorca ist eine super tolle Insel. Hier kannst du ganz viele tolle Sachen machen. Von daher hilft mir Mallorca quasi ein bisschen dabei, die Zeit ohne Segeln zu überbrücken.
Seit wie vielen Jahren bist Du Segelcoach und wie viele Leute haben es von dir gelernt?
Segelcoach bin ich jetzt hier auf der Insel seit mittlerweile zwölf Jahren.
Coach der Aqua Fun-Segelschule hat Hunderte ausgebildete
Und wie viele Leute waren es?
300, vielleicht 400. Also hier den SKS-Schein. Und ich habe ja für eine andere Segelschule noch Grundkurse gemacht und Skipper, Trainings und so was. Also schwer zu sagen. Es waren schon ein paar 100 .
Hast du immer sofort erkannt, ob jemand Talent dafür hat? Und kann Segeln wirklich jeder lernen?
Ja! Bei dem einen oder anderen dauert es vielleicht ein bisschen länger. Segeln ist halt Physik. Aber ich glaube, alles, was Du mit dem Herzen machst, wenn Du Lust dazu hast, kannst Du es schaffen.

Sind Segler die besseren Menschen?
Das ist eine sehr krasse Frage! Ich als Lehrer sage natürlich: Ja. Aber ich glaube, das wäre sehr subjektiv, das so zu beantworten. Ich glaube schon, dass Segler vielen Menschen etwas voraus haben. Wie diese Ruhe genießen auf dem Wasser. Gerade wenn Du in der Bucht bist, wenn du unterwegs bist, mit so einem Boot in der Bucht liegst und diese Ruhe genießen kannst. Kleines Beispiel vielleicht: Für mich ist das morgens immer ein Kampf darum, Springe ich zuerst ins Meer oder mache ich mir zuerst einen Kaffee? Das ist halt wirklich ein anderes Leben.
Wer sind deine Lieblingsschüler? Sind es vielleicht auch gestresste Manager, die sagen Ich möchte entschleunigen auf dem Wasser?
Absolut. Ja, absolut. Lieblingsschüler – kann ich nicht sagen. Eigentlich kommen die Leute ja her, weil sie sich dazu entschieden haben. Sie werden ja nicht dazu gezwungen. Das ist für mich ein enorm großer Vorteil. Ich habe so einmal im Jahr auch mal einen dabei, der so ein bisschen querschießt, möchte ich mal sagen, der sich selbst vielleicht überschätzt. Das sind dann Leute, die ich persönlich natürlich in ihre Schranken weisen muss. Hört sich vielleicht ein bisschen arrogant an, aber ich glaube schon, dass Ihr wisst, wie ich das meine. Die muss man dann halt auf Steam trimmen.
Tipp für Segelpärchen: "Männer sollten ihre Frauen öfters an's Ruder lassen!"
Was können Frauen beim Segeln besser als Männer?
Frauen haben mehr Gefühl.
Wo zahlt sich das Gefühl aus?
Wenn Frauen denn dann gelernt haben! Frauen brauchen vielleicht manchmal ein bisschen länger, um das Segel-Prinzip zu verstehen. Ich glaube, Männern liegt also ich will das nicht pauschalisieren, aber ich glaube, Physik ein bisschen mehr im Blut als Frauen. Aber: wenn Frauen erst mal diesen diesen inneren Schalter umgelegt haben, dieses Prinzip verstanden haben, dann sind Frauen die besseren Segler.
Frauen können die Manöver dann flüssiger oder runder? Oder fühlt man sich dann an Bord sicherer?
Die fahren sie anders. Männer fahren manchmal ein bisschen aggressiver. Das machen Frauen nicht. Also das sind meine persönlichen Erfahrungen. Sicherlich gibt es da auch andere. Aber gerade wenn man so sieht, Mann und Frau, ein Pärchen zum Beispiel ist unterwegs. Die Frau ist meistens die ruhigere und der Mann ist meistens derjenige, der anfängt, irgendwie lauter zu werden, hektischer zu werden. Frauen sind da doch, ich glaube, im Allgemeinen etwas chilliger.

Dein Tipp für Pärchen, die segeln gehen, weil das ist natürlich auch eine Stresssituation. Das kann ja schon auch mal kritischer werden. Entweder Scheidung oder noch größere Liebe?
Ein Tipp für Pärchen: macht es, aber geht aufeinander ein! Kein Mensch ist perfekt. Und gerade das liebe ich ja auch beim Segeln: Jeder Tag ist anders! Du hast anderen Wind, Du musst andere Manöver fahren. Gerade auch Hafenmanöver, wo es meistens dann mal zum Clinch kommt zwischen Männlein und Weiblein. Tipp: Ruhe haben und vor allen die Manöver einfach einmal vernünftig durchsprechen, damit jeder weiß, was er zu tun hat. Und vor allen Dingen empfehle ich vielen Männern, ihre Frauen viel öfter mal ans Ruder zu lassen.
Was sind die größten Fehler beim Segeln? Wo kriegst Du wirklich einen Herzinfarkt, wenn Du irgendwas an Bord bei einem Schüler oder bei einem anderen Segler siehst?
Ich denke, die größten Fehler beim Segeln sind tatsächlich, man sieht es ganz viel bei Chartercrews: Das Manöver nicht vernünftig durchgesprochen werden und dass wenn etwas passiert: Ruhe bewahren. Und das ist das Problem, wenn diese Manöver vorher nicht durchgesprochen werden und irgendwas nicht so richtig läuft und der verantwortliche Rudergänger oder Skipper anfängt nervös zu werden, überträgt sich das sofort auf seine Crew und dann gehen Manöver schief.
Was ist Deine Lieblings Windstärke?
Vier! Du kannst auch bei fünf Windstärken gut segeln, Aber eine Windstärke vier ist für mich so, das brauchst du noch nicht treffen in den meisten Fällen. Du hast natürlich auch Böen dabei. Also auch wenn ich eine Windstärke vier habe und weiß, da sind Böen oder man spürt diese Böen auch, dann würde ich die Segelfläche verkleinern. Aber ansonsten ist das für mich die schönste Windstärke. Gerade richtig, um auch auf die Rumpfgeschwindigkeit zu kommen. Egal auf welchem Kurs du bist, du hast am meisten Spaß.
Haben Segler Angst vor der Flaute?
Nö, Angst nicht. Man sagt ja auch in solchen Fällen: Jeder Segeltag ist verschenkte Hafentag. Wenn's nur mal ein Tag ist, ist das überhaupt kein Problem. Es gibt ja auch schöne Häfen. Dann kann man sich halt mal so einen Hafen schön angucken, ohne irgendwie Angst zu haben, dass man die Zeit, die man auf dem Boot verbringen kann, falsch genutzt zu haben.

Welches Getränk darf nie an Bord fehlen für Dich als Segler und Segelschulen-Coach?
Bier. Und Wasser natürlich. Also Wasser ist unumgänglich. Aber so Klassiker ist halt, wenn du geankert hast in der Bucht oder wenn du am Steg angelegt hast, dann wird halt ein Anlege Bier getrunken. Muss nicht immer Alkohol sein. Aber das gehört einfach dazu.
Segeln ohne Fluchen geht nicht, oder?
Geht. Aber da für mich persönlich Segeln sehr viel mit Emotion zu tun hat, gehört es dazu. Es passiert halt mal das ein oder andere – das ist normal. Dann kannst Du halt fluchen. Das hilft Dir kurzfristig irgendwie den entweder von dir selbst produzierten Fehler oder den Fehler, den vielleicht andere gemacht haben, über diesen schnell hinwegzusehen. Da wird einmal kurz geflucht, richtig schön laut, manchmal auch ein bisschen ordinär, aber dann ist das Ding auch durch.
Danke und bitte hat auf dem Boot nichts zu suchen?
Nicht in den Manövern. Ansonsten bin ich persönlich immer der Meinung: im normalen Umgang an Bord ohne Danke und bitte hat ein Mensch nichts an Bord zu suchen.
Warum wirken Segler so oft so entspannt?
Weil sie entspannt sind. Du kommst wirklich runter, Du bist in der Natur.
Oftmals hast du Stellen, wo Du keinen Empfang hast. Auch fürs Handy nicht. Kennen wir alle irgendwie: Wie schnell greift man zum Handy oder es piept und man will gucken? Das Handy kommt hier im Cockpit-Tisch und ist nicht wichtig.
Auf dem Wasser ist für dich das größte Gefühl von …?
Freiheit. Ja, das ist Freiheit.
Spürst du Freiheit noch irgendwo anders in deinem Leben? So sehr wie auf dem Wasser, oder?
Also, ich führe generell ein sehr freies Leben. Ich habe mir das natürlich auch erarbeitet. Aber für mich ist halt wichtig, nicht so in dieser Mühle drin zu sein. Arbeiten muss ich genauso. Ich gönne mir auch viel Freizeit und vor allem habe ich mir Dingen angewöhnt, Dinge zu machen, die ich machen möchte und keine wirklichen Dinge, die ich machen muss, wenn ich es vermeiden kann.
Aus Deutschland ausgewandert – warum?
Wann bist Du ausgewandert?
Ich bin auf die Insel gekommen am 23.11.2012 –das war mein Traum. Ich habe in Deutschland komplett alle Zelte abgebrochen. Man muss sich durchbeißen. Niemand sagt, dass es leicht ist. Leute, es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Macht es einfach! Kämpft euch da durch und ihr werdet belohnt. Ich bin seit fast 14 Jahren auf der Insel und fühle mich quasi jeden Tag wohler.
Kannst Du Dir vorstellen, wieder nach Deutschland zu ziehen? Irgendwann?
Nein, überhaupt nicht. Du könntest mir eine Million Euro bieten. Würde ich nicht machen. Ich sage mal, ich lebe lieber hier auf der Insel in Armut. Hört sich immer sehr krass an.

Was ist der Unterschied in der Mentalität der Menschen in Deutschland? Spanien?
Das ist wie schwarz und weiß. Die Menschen hier sind einfach, auch wenn sie weniger haben, viel, viel glücklicher. Einer der allerwichtigsten Punkte ist Zusammenhalt. Hier zählt die Familie tatsächlich noch, auch wenn du alt bist, auch wenn du 80 oder 90 bist, Die Familie ist für dich da. Kinder sind hier super wichtig. Es wird nicht nur gesagt, dass sie wichtig sind, sondern die sind wirklich wichtig und werden ernst genommen.
Was wünscht Du den Deutschen, können die es irgendwie ändern, trotz dunkler Winter?
Also Deutschland ist meiner Meinung nach einfach eine zu große Ellenbogengesellschaft geworden. Jeder nimmt sich selbst einfach viel zu wichtig, achtet viel zu wenig auf andere. Familie ist nicht mehr wichtig. Grausam, einfach nur grausam! Mehr Respekt. Ich glaube, das fehlt vielen Deutschen. Aber der Spanier zum Beispiel, der geht morgens raus, trinkt seinen ersten Kaffee irgendwo in seiner Lieblingsbar. Er ist draußen. Der kommuniziert mit Nachbarn, mit Freunden. Viel schöner. Offener.
Vermisst Du trotzdem irgendwas Deutsches in deinem Leben hier? Manchmal?
Deutschland ist ein schönes Land. Auch Hamburg ist eine super tolle, schöne Stadt. Aber Deutschland ist enorm teuer geworden. Weswegen fahren denn viele Deutsche ins Ausland? Egal wohin, Italien, Spanien, in den Urlaub – weil's mitunter deutlich günstiger ist. Es gibt in Deutschland immer mehr Verbote. Alles wird immer viel, viel teurer.
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